Mein Caminho Teil 4

Von Portugal nach Galicien

Der nächste Tag sollte laut Pilgerführer die „schwierigste“ Etappe sein. Der Franzosenweg: Steil, unwegsam und kaum ein Café auf dem Weg. Ich bat Manfred, mich zu begleiten; vor dem Weg hatte ich jetzt schon Respekt. Es war eine Herausforderung, für uns aber auch für die anderen Pilger. Ein traumhafter Weg, steinig, eng, steil. Oben angekommen wurden wir mit der tollsten Aussicht belohnt und ich konnte auf den Weg zurück blicken, den ich bisher geschafft hatte. Stolz machte sich in meiner Brust breit und Freude und Leichtigkeit und Zuversicht. Ich werde es schaffen, bis Santiago zu pilgern. Dessen war ich jetzt gewiss. Im Nachhinein fand ich den Abstieg nach Rubiaes schlimm. Holprig, unwegsam, große und kleine Steine auf dem Weg und genauso lang wie der Aufstieg. An diesem Abend wurde ich wieder mit einer tollen Unterkunft belohnt. Zimmer mit Pool, Erfrischung pur.

Der letzte Tag in Portugal führte mich durch viel Gegend zu der Grenzstadt Valenca, einer mittelalterlichen Stadt mit dicken Stadtmauern am Rio Mino. Über die Grenzbrücke gelangte ich am nächsten Tag über Tui in Galicien bis O Porrinho. Den Einheimischen ist es wichtig, dass sie in Galicien wohnen, weniger in Spanien. Bisher war ich oft alleine unterwegs, habe kaum andere Pilger getroffen, manchmal Radfahrer. Von nun an ändert sich das. Nur wer die letzten 100 Kilometer bis Santiago zu Fuß geht, bekommt eine Compostella, eine Pilgerurkunde, wenn er genügend Stempel in seinem Pilgerausweis gesammelt hat. Ab jetzt möglichst zwei am Tag. Ich habe „schöne“ Stempel bekommen und doch vergaß ich es häufig. Es war unwichtig. Über die besonderen freute ich mich aber doch. Inzwischen waren mir einige Pilger vertraut, traf ich häufig die gleichen Menschen wieder. Unterwegs im Café, bei einer Rast oder abends in der Stadt. Wir gingen zusammen Essen, tauschten unsere Erlebnisse aus. Aus aller Welt waren sie da. Aus Brasilien, Chile, Australien, Österreich, Frankreich und natürlich aus Deutschland. Sie waren alleine unterwegs, mit Söhnen oder Töchtern, als Paar, als Freunde, als Junge, als Alte, zum ersten Mal oder schon zum 10. Mal, wie ein 70jähriges Paar erzählte. Sie erzählten von Orten die ich übersehen habe, ich erzähle von Orten, die sie nicht gesehen haben. Mindestens ein Grund, diesen Weg noch einmal zu gehen.

Meine Etappen waren meist ca. 20 Kilometer lang. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Die kürzeren Strecken fand ich prima. Zeit zu schauen und zu lauschen, Inne zu halten. In mir zu lauschen.

Speziell und unglaublich war ein Cafè auf meinem Weg nach Redondela. Mal in die Büsche für das kleine Geschäft wurde schwieriger und Zeit für einen Kaffee oder ein kühles Getränk war immer willkommen. Es sah schon etwas schmuddelig aus beim Reinkommen und viele Fliegen schwirrten über einem Tisch, die mir nicht sofort aufgefallen waren. Nun, die Not war groß und es kostete mich viel Überwindung, ihr nachzugeben ohne es hier weiter auszuführen. Ich war sehr froh, dass die Cola in der Dose verkauft wurde und konnte mich gerade noch zum Bezahlen zusammenreißen, bevor ich draußen in schallendes Gelächter ausbrach. So etwas Schmuddeliges, …. hatte ich noch nie gesehen, dabei war die Besitzerin hübsch und sehr freundlich. An diesem Tag hatte ich mehrere solcher Lachkrämpfe, wann immer ich an diese Situation dachte, womit ich manchmal interessierte Blicke auf mich zog. Leider konnte und kann ich es nicht so widergeben, wie ich es erlebt hatte. Es war jedoch klasse, dass ich lachen konnte und es war somit ein ganz besonderes Erlebnis an diesem Tag.

An diesem Abend übernachtete ich in Cesantes und schwamm das erste Mal im Meer, noch etwas kühl, musste aber sein!

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